Einführung der Mark vor 150 Jahren
Bevor wir uns dem Geldwesen zuwenden, müssen wir uns die geschichtliche Situation Deutschlands in den 1870er Jahren ansehen.Nach dem Sieg über Österreich im Deutschen Krieg 1866 hatte Preußen sich etliche bis dahin selbständige Gebiete einverleibt: das Königreich Hannover, Schleswig-Holstein, das Kurfürstentum Hessen und noch einige kleinere Gebiete. Unter seiner Führung entstand der Norddeutsche Bund. Dieser umfasste 22 bis dahin selbständige Staaten. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 unterstützten die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden den Norddeutschen Bund, und es kam im Laufe dieses Krieges zur Gründung des Deutschen Reiches mit dem preußischen König Wilhelm I an der Spitze. Es wurde ein Reichstag gewählt und eine Verfassung verabschiedet, die am 4. Mai 1871 in Kraft trat. Hier ein Brief vom ersten Tag des Deutschen Reiches

Da die Reichsgründung so schnell verlief, gab es noch keine Freimarken mit Aufschrift „Deutsches Reich“
bzw. „Deutsche Reichspost“. Die Reichspost nutzte die Marken ihrer Vorgängerin, der Norddeutschen
Bundespost, bis zum 31. Dez. 1871 weiter. Zwar hatte die deutsche Zollunion sowie Österreich und
Liechtenstein 1857 mit dem Wiener Münzvertrag eine erhebliche Verbesserung der Währungs- und
Geldsituation erreicht. Es gab aber in Deutschland noch immer sieben Münzsysteme.

Der kleinste Wert der Freimarken war die ¼ Groschen-Marke, der höchste Wert war die Innendienstmarken
zu 30 Groschen. Im Süden gab es Kreuzer Freimarken. In Abbildung 3 wird ein Beleg mit Groschen und
Kreuzer vorgestellt, der im Gulden-Gebiet genügend frankiert war, in bspw. Köln aber zu gering frankiert
gewesen wäre. Die exakte Parität lag bei 2 Groschen gleich 7 Kreuzer.

Abbildung 4 zeigt einige in 1871 geläufige Münzen: preußischer und bayerischer Vereinstaler, 1Silbergroschen, 3, 2 und 1 Pfennig von Preußen, 4 Pf. des Großherzogtums Hessen und 1 Kreuzer aus dem Großherzogtum Baden.Die Vielfalt an Münzsystemen galt es zu beseitigen. Bereits 1870 hatte der Bundesrat des Norddeutschen Bundes die Schaffung eines einheitlichen Münzsystems auf dezimaler Basis gefordert. Auch das Zollparlament, dem auch die süddeutschen Staaten angehörten, forderte dies. Jedoch vereitelte der Krieg gegen Frankreich dieses Vorhaben. Im neu gegründeten Deutschen Reich waren die Voraussetzungen nun geschaffen, die Sache anzugehen. Neben der Umstellung von Maßen und Gewichten auf das Dezimalsystem gelang dies auch beim Geld. Man entschied sich, als Haupteinheit und Bezeichnung für das neue Geld die „Mark“ zu wählen. „Mark“ war eine Jahrhunderte alte Bezeichnung für ein Münzgewicht von etwa 234 Gramm. Die Mark sollte 100 Pfennig haben. Sie sollte ab dem 1. Januar 1875 gelten. Die vorhandenen Freimarken zu ½, 1, 2, und 5 Groschen passten ins Dezimalsystem (1 Groschen gleich 10 Pfennige) und durften im Jahre 1875 noch aufgebraucht werden, während alle Kreuzer-Marken, die ½ Schilling Hamburger Stadtpostmarke und die ¼ und 1/3 Groschen Marken ungültig wurden.

Abbildung 5 zeigt einen Auslandsbrief, bei welchem das notwendige 30 Pfennig Porto mittels
Verwendung einer alten 2 Groschen Brustschildmarke und einer neuen 10 Pfennige Marke verklebt wurde.

Nach so viel Philatelie nun die erste Münze, die in der neuen Mark-Währung geprägt wurde

Die Mark-Währung sollte eine Goldwährung sein und nicht wie bisher der Taler auf einem Silberstandard
beruhen. Da Goldmünzen unter 5 Mark zu klein geworden wären, wurden die Münzen von 5 Mark bis
20 Pfennig in Silber verausgabt, passten aber vom Gewicht und Wert her ins System. Das Verhältnis
Gold zu Silber war festgelegt mit 1:15,5. Da die Umstellung viel Edelmetall und Arbeit erforderte, entschied
man sich, die vorhandenen Talerstücke noch bis 1907 als 3-Mark-Stücke zu nutzen.Auf den Münzen von 2,
3, 5, 10 und 20 Mark wurden auf der Vorderseite der Wert, der Reichsadler und die Umschrift „Deutsches Reich“
abgebildet. Rückseitig wurden die Monarchen bzw. bei den drei Republiken die Wappen dieser Bundesstaaten
des Deutschen Reiches geprägt. Hier eine kleine Auswahl von 5-Mark-Stücken

Die ab 1874 ausgegebenen Banknoten werteten 5, 20, 50, 100 und 1000 Mark
Historischer Beleg Theodor Heuss
Nicht nur Briefmarken …
… Auch geschichtliche Dokumente stecken in den Sammlungen der Mitglieder des Briefmarken- und Münzsammlervereins Eifelland, Gerolstein. Der gezeigte Beleg vom 7. März 1949 ist gerichtet an Prof. Heuss, Parlamentarischer Rat, Bonn. Dieser Parlamentarische Rat war im September 1948 geschaffen worden, um ein Grundgesetz für einen neu zu errichtenden deutschen Staat auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen zu formulieren. Die drei Militärgouverneure der USA, Großbritanniens und Frankreichs hatten in den Frankfurter Dokumenten am 1. Juli 1948 die Ministerpräsidenten der elf westlichen Länder aufgefordert, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Im Herbst 1948 versuchten die Militärgouverneure in Form eines Memorandums Einfluss auf den Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rates zu nehmen. Wie der Beleg zeigt, lieferte Prof. Heuss dem Nordwestdeutschen Rundfunk dazu einen Beitrag. Dafür erhielt er ein Honorar von 50,- DM. Dieses quittierte er „Betrag erhalten 18.3.49 Th. Heuss“ mit seiner Unterschrift. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz in Kraft, womit die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde. Am 12. Sept. 1949 wählte die Bundesversammlung Prof. Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten der neuen Republik.

Nun doch wieder zu Briefmarken: 1954 gab die Deutsche Bundespost erstmals
Briefmarken mit dem Bildnis von Theodor Heuss aus. Mit mehr als 70 verschiedenen
Marken ist er die am häufigsten abgebildete Person auf deutschen Briefmarken.

Vor 75 Jahren
Haben Sie gewusst, dass Postsendungen aus unserer Region vor 75 Jahren mit Briefmarken frankiert werden mussten, die die Bezeichnung RHEINLAND-PFALZ trugen? Auf dem gezeigten Brief aus Gerolstein sind alle im Jahre 1947 erschienenen Marken für dieses Land verklebt worden. Vermutlich waren sowohl der Empfänger als auch der Absender, "B. Strunz (22) Gerolstein (Eifel) Oberförsterei", Briefmarkensammler.
Durch Anordnung der französichen Militärregierung vom 30. August 1946 war die Errichtung des Landes Rheinland-Pfalz bestimmt worden. Das aus bayerischen, hessischen und preußischen Landesteilen zusammengestückelte Land erhielt erst mit Annahme der Verfassung durch Volksabstimmung am 18. Mai 1947 seinen endgültigen Namen.
Bereits im April/Mai 1947 erschienen die ersten Briefmarken mit der Landesbezeichnung. Als Marken-Motive wurden neben fünf Persönlichkeiten (Beethoven, Gutenberg, Ketteler, Marx und Karl der Große) Darstellungen von Gebäuden und Landschaften gewählt. Die mit Abstand auflagenstärksten Marken waren die jeweils mit 60 Mio. Stück gedruckten Werte zu 12 und 24 Pfennig. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, dass eine Postkarte damals 12 Pf. und ein Brief 24 Pf. kosteten. Den 12 Pf. Wert ziert eine gelungene Darstellung der Porta Nigra.
Den Marken war keine lange Verwendungszeit beschieden. Mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 verloren die noch in Reichsmarkwährung ausgegebenen Freimarken ihre Gültigkeit. Sie durften nur zwei Tage lang im Wertverhältnis von 10:1 zur DM aufgebraucht werden. Die beiden nachfolgend ausgegebenen Dauerserien für Rheinland-Pfalz in DM-Währung zeigten die gleichen Bildmotive, jedoch in geänderten Farben. Am 31.Dez. 1949 verloren auch diese ihre Gültigkeit und am 31. März 1950 war durch ungültig werden auch der Sondermarken Schluss mit dem Briefmarkenland RHEINLAND-PFALZ.

Rinderpest in Gerolstein
Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 lagen Soldaten des Norddeutschen Bundes auch in der Eifel. Offensichtlich herrschte in unserer Region damals die Rinderpest. Die Soldaten wurden auch dafür eingesetzt, die Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern. Dies ergibt sich aus dem Inhalt des gezeigten Briefes.
Brief „An den Königl. Premire Leutnant u. Compagnieführer der 2 Comp. Bes. Batl. Wetzlar No 88 Herrrn Aldenhoven Hochwohlgeboren Bitburg“ abgesandt am 26. Sept. 1870 in Hillesheim. Da es sich um einen Militaria Brief (vorne unten vermerkt) handelt, war er portofrei.
Die Rinderpest ist eine hochansteckende Viruserkrankung die neben Rindern und Büffeln auch andere Wiederkäuer und Paarhufer befällt. Die Krankheit gilt seit 2011 als ausgerottet. Der letzte Rinderpestfall in Europa war in Italien 1954. In der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) brachte der Ausbruch der Rinderpest um 1900 das Transportwesen fast zum Zusammenbruch, wurden doch dort die Ochsenwaagen mit bis zu 18 Ochsen bespannt. Die letzten Rinderpestfälle in Deutschland gab es im Jahre 1870.
Hier die Übertragung des Textes:
Euer Hochwohlgeboren
Beehre ich mich ergebenst anzuzeigen, daß der letzte Rinderpestfall hier am 23. d.M. des morgens, zu Gerolstein am 22. d.M. und zu Pelm seit des Aufenthalts des dortigen Detachements kein Fall, und zu Lissingen überhaupt noch kein Fall constatiert worden ist.
Lissingen ist auf Anordnung des Bürgermeisteramts zu Pelm, resp. des Landraths zu Daun zur Zeit militairisch bewacht worden, um diesen Ort, welcher an der Verkehrsstraße zwischen den 2 sehr verpesteten Orten Birresborn und Gerolstein gelegen ist, gegen die Pest zu schützen.
Wegen des Wiederholungsfalles zu Gerolstein (am 22. d.M.) beabsichtigte der Bürgermeister zu Pelm, die Vertheilung der in Pelm liegenden Mannschaften nach Gerolstein und zur größeren Sicherheit auch noch auf Lissingen beim Landrath beantragen zu wollen.
Da sich aber hier die Wachtposten seit gestern verstärkt haben, so daß einige der Mannschaften sogar 2 Nächte hintereinander auf Wache ziehen müssen (am Tage sind Civilposten ausgesetzt, und haben daher unsere Leute Ruhe), so habe ich das hiesiege Bürgermeisteramt ersucht, die Verstärkung beim Landrathsamt nachzuholen zu beantragen.
Richter
Vice Feldwebel


Vor 100 Jahren: Die Inflation geht in die Hochphase
Hier kann man den kompletten Bericht über den rasanten Anstieg des Briefportos in der Hochinflationsphase herunterladen

Notgeld 1916 - 1924 im Kreis Daun
In diesem Beitrag werden alle Variationen von Notgeld dargestellt und viele historische Dokumente und Belege gezeigt. Den kompletten Beitrag können Sie sich hier herunterladen

